Delir auf der Intensivstation
In der Medizin wird als „Delir“ ein akuter, verwirrter Zustand beschrieben. Dieser kann sich auf verschiedene Arten äußern:
- unlogisches Denken
- nicht verstehen, in welcher Situation man sich befindet
- Sehen und Hören von Dingen, die nicht da sind, jedoch für den Betroffenen sehr real empfunden werden können
- Verunsicherung und Angst
- Unruhe, Aufregung, Unaufmerksamkeit
- Aggressivität, Wut
- Verwenden von unangemessenen Wörtern
- umgekehrter Tag- und Nachtrhythmus
- Verwirrtheit in Ort, Zeit und zur Person
- unkontrollierte Bewegungen wie beispielsweise Zittern, Ziehen an Kleidern und Leitungen
- Gedächtnis- und Erinnerungsprobleme
In diesem Zusammenhang kann Ihnen Ihr Angehöriger teilweise etwas fremd erscheinen und wirkt in seinem Wesen sehr verändert.
Ein Delir kann sich innerhalb weniger Stunden bis Tage entwickeln. Die beobachtbaren Veränderungen unterliegen täglichen Schwankungen, in denen sich die genannten Symptome auch verschlimmern können. Über die Dauer lässt sich keine Vorhersage treffen; sie kann Tage bis Monate andauern.
Wie können Angehörige helfen?
In einem Delir steht für Ihren Angehörigen die Welt auf dem Kopf. Sie können mit einfachen Maßnahmen sehr viel positiven Einfluss auf den Verlauf nehmen, in dem Sie
- einfache Wörter benutzen und leise sprechen
- helfen, an Brille und Hörgerät zu denken und zu nutzen
- häufiger die aktuelle Tageszeit und das Datum in Ihr Gespräch mit einbauen
- mithelfen, eine vertrautere Umgebung zu schaffen; nach Absprache sind z. B. Familienfotos, persönliche Gegenstände, Lieblingsmusik usw. möglich
- Tageszeitungen mitbringen
- körperliche Nähe angepasst gestalten
- Medienkonsum und unnötige Reize z. B. durch das Handy reduzieren
- über Familie und Freunde sprechen
- Geduld haben und Zeit schenken
Ein Delir ist eine sehr komplexe Veränderung der Funktion des Gehirns. Die Ursachen können sehr vielfältig sein und betroffen sind ca. 7 von 10 Patientinnen bzw. Patienten auf einer Intensivstation.
Mögliche Auslöser:
- Infektion, Sepsis
- Wirkung von Medikamenten zur Behandlung von Schmerzen, Unruhe, spezielle Herzmedikamente u. v. m.
- Entzug von Nikotin, Alkohol, Medikamenten und Drogen
- Demenz / psychische Erkrankungen (z. B. Depression)
- lange Operationen
- hohes Lebensalter
- vermindertes Seh- und Hörvermögen
- Stoffwechselstörung der Sauerstoffverwertung des Gehirns
- Stress
- lange Beatmungszeiten
Was Sie für sich tun können
Sie als Angehöriger können in solch einer Situation schnell an Ihre Grenzen kommen. Dabei vergisst man häufig, auf sich selbst zu achten und erlebt Stress in negativer Form.
Sie erleben Sorgen und Ängste und benötigen daher eine Strategie, diese Eindrücke zu bewältigen.
Suchen Sie sich evtl. Unterstützung bei Ihrem Freundes- und Familienkreis.
Wenn Sie vor Ort spüren, dass Sie überfordert sind oder unruhig werden, kann es hilfreich sein, sich mit jemandem abzuwechseln und sich eine „Auszeit“ zu gönnen.
Sie sollten keine Angst haben, über Ängste und Sorgen, die Sie oder Ihren Angehörigen betreffen, mit uns zu sprechen.
Versuchen Sie trotz dieser schweren Zeit, ein normales Miteinander zu pflegen.
Kontakt und Anfragen
Wir als Team der interdisziplinären intensivmedizinischen Pflegeeinheit sind in der Betreuung von schwerstkranken Menschen, die ein Delir erleben, geschult und erfahren. Vertrauen Sie darauf, dass der Zustand, den Sie als fremd und beunruhigend erleben, zu unserem alltäglichen Versorgungsalltag gehört. Wir möchten gemeinsam mit Ihnen diese Zeit begleiten und hoffen, mit diesem Flyer etwas Einblick in das Thema Delir vermittelt zu haben.
Haben Sie noch weiterführenden Gesprächsbedarf oder Fragen, wenden Sie sich gerne an unser Pflege- und Ärzteteam vor Ort.